Anfänge

Sandomierz ist eine der ältesten und historisch wichtigsten Städte in Polen. Davon zeugen archäologische Entdeckungen in der Stadt und ihrer Umgebung. Erste menschliche Ansiedlungen auf diesem Gebiet erfolgten in den ältesten Zeiten und sind schon in der Jungsteinzeit - Neolithikum (5200 v. Chr. – 1700 v. Chr.) nachweisbar.

Die eigentliche Entwicklung der Stadt fällt jedoch auf die Phase des Frühmittelalters. Das war möglich dank der günstigen Lage der Stadt auf wichtigen Handelswegen am Schnittpunkt der Sandomierzer Hochebene, des Sandomierzer Talkessels  und der Lubliner Hochebene. Die Kommunikation und den Kontakt mit der Welt ermöglichte auch die Nähe der Flüsse, die in die Weichsel mündeten. All dies trug dazu bei, dass sich Sandomierz sehr intensiv entwickelte und zum administrativen Zentrum wurde.

Im 11. Jahrhundert zählte Gallus Anonymus Sandomierz, als „sedes regni principales“, ähnlich wie Krakau und Breslau, zu den größten Städten Polens. Der hohe Stellenwert der Stadt wurde im Testament vom Boleslaw III. „Schiefmund“ bestätigt, auf dessen Grund Sandomierz zur Hauptstadt des polnischen Teilherzogstums wurde. Über diese Region herrschten Herzöge: Heinrich von Sandomir, Boleslaw IV. „der Kraushaarige“, Kasimir II. „der Gerechte“, Leszek der Weiße, Boleslaw V. der Keusche.

Die Zersplitterung des Königreichs Polen hatte jedoch keinen direkten Einfluss auf die Entwicklung der Stadt. Erst im 13. Jahrhundert während der Tatareneinfälle wurden fast alle Holzbauten zerstört. Nach diesen Niederlagen standen die Ansiedlungen auf den höheren, schwer erreichbaren Hügeln: Kolegiackie, St. Peter, Miejskie, wo dank des Herzogs Leszek II. „des Schwarzen“ der Stadt das Magdeburger Recht mit der zweiten Lokationsurkunde im Jahre 1286 verliehen wurde. Die erste Ortsbestimmung auf dem Gebiet der altstädtischen Hügel war kurz vor 1241 oder kurz vor 1226.

Zwischen Blütezeit und Teilung Polens

Nach der Einigung der polnischen Gebiete wurde das ehemalige Herzogtum zur Sandomierzer Woiwodschaft. Sie umfasste beträchtliche Gebiete des südöstlichen Teils von Polen. Mit damals 3000 Bewohnern gehörte Sandomierz zu den größten Städten Polens, gleichzeitig war eine in der größtenteils aus Holzgebäuden bestehende Stadt. In der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts wurden sie während eines der Litauereinfälle verbrannt. Der Wiederaufbau der Stadt nach dieser Niederlage vollzog sich in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts während der Regierungszeit Kasimirs des Großen. Dank seiner Betreuung und der günstigen wirtschaftlichen Situation entwickelte sich das Bauwesen. Aus dieser Zeit stammt auch die endgültige bis zum 20. Jahrhundert aufbewahrte Stadtplanung. Die Regierungszeit Kasimirs des Großen gilt für Sandomierz und das Sandomierzer Land (Ziemia Sandomierska) als Periode intensiver Entwicklung.

Die schwedischen Kriege, die sogenannte Schwedische Flut, richteten empfindliche Verwüstungen in Sandomierz an. Die Schweden eroberten die Stadt am 13. Oktober 1655. Als sie sich zurückzogen, sprengten sie das Schloss in die Luft. Die Stadt wurde beträchtlich zerstört. Die Situation der Stadt wurde dramatisch noch wegen des Rákóczi-Einfalls und der Pestepidemie. Die schlechte wirtschaftliche Situation des Landes und die Verarmung der Bevölkerung verursachten größere Schwierigkeiten in dem Wiederaufbau der Stadt.

Der große Brand im Jahre 1757 und die erste Teilung Polens (1772) trugen dazu bei, dass Sandomierz an administrativer Bedeutung verlor, was seine wirtschaftliche Entwicklung bremste. Nach der ersten Teilung Polens wurde Sandomierz zur Granzstadt, während sich Österreich nach der dritten Teilung Polens (1795) Sandomierz einverleibte. Danach übte die Stadt keine administrativen Funktionen mehr aus, die durch Radom übernommen wurden.

Unter fremder Herrschaft

Stefan Żeromski verewigte in seinem Roman "Zu Schutt und Asche" (Popioły) polnisch-österreichische Kämpfe um Sandomierz im Jahr 1809. Sie führten zur weiteren Zerstörung der Stadt. 1815 ging Sandomierz als Kreisstadt im autonomen Königreich Polen (Kongresspolen) auf. Sandomir zählte damals 2640 Bewohner und diese Zahl vergrößerte sich. 1818 wurde der Stellenwert der Stadt verbessert. Durch den Papst Pius VII. wurde das Bistum Sandomierz mit der Päpstlichen Bulle „Ex imposita nobis“ errichtet.

Die wichtigsten Änderungen erfolgten 1825 im Schloss, das in ein Gefängnis umgebaut wurde. 1857 kam es zu der ersten der bekannten Baukatastrophen. In der Nähe von dem Zawichojska-Tor stürzte der 100 Meter lange Teil der Schutzmauer mit den anliegenden Gebäuden zusammen. Seit diesem Vorfall erwähnt man immer häufiger in Urkunden der Stadt die Einstürze der unterirdischen Gänge und die damit verbundenen Sicherungsarbeiten.

Während des 1. Weltkrieges kam es in Sandomierz und der Umgebung zu bewaffneten Kämpfen, die zu Verwüstungen der Stadt führten. Der Krieg bremste ihre Entwicklung völlig. Die bedeutend kleiner gewordene Zahl der Bewohner hatte den Einfluss auf die Stagnation im Handel, Gewerbe und in der Kleinindustrie. Das Bildungswesen konnte nicht funktionieren. Die Entwicklung gesellschaftlicher und Kulturinstitutionen war nicht mehr möglich. Sandomir wurde deswegen zur Provinzstadt mit fast 6000 Bewohnern. Die Wiedergewinnung der Unabhängigkeit durch Polen erweckte nach Jahren der Fremdherrschaft das versteckte gesellschaftliche Potenzial von Sandomierz. Schon am Anfang der 20er Jahre des 20. Jahrhunderts änderte die Stadt radikal ihr Bild. Die intensive Entwicklung der Markt- und Kommunalwirtschaft, der Kultur, des Bildungswesens und die Aktivität der Gesellschaft in der Zwischenkriegszeit trugen dazu bei, dass die Stadt von Jahr zu Jahr immer größere Bedeutung gewann.

Letzte 100 Jahre

Die Position der Stadt wurde verstärkt, nachdem es entschieden worden war, in Sandomierz den Sitz des Zentralen Industriebezirkes zu gründen, was zu dem zusätzlichen wirtschaftlichen Aufschwung führte und sich in fast allen Lebensbereichen äußerte. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges unterbrach die günstige Entwicklung der Stadt. Die Pläne, Sandomierz in eine große, moderne Stadt zu verwandeln, blieben jedoch unerfüllt. Der 2. Weltkrieg brachte der Stadt keine direkten Zerstörungen. Die sowjetischen Truppen der 2. Ukrainischen Front befreiten Sandomierz am 18. August 1944.

Sandomierz ist heute Kreisstadt in der Woiwodschaft Heiligkreuz (Świętokrzyskie). Sie wird als historisches Museum unter freiem Himmel betrachtet, in dem jede Epoche wertvolle Spuren hinterließ. Über 120 Baudenkmäler weisen alle Stile auf und gelten als architektonische Kunstwerke, die zusammen mit der schönen Landschaft, malerischen Lage in wunderbarem Grün – auf sieben Hügeln, die tiefe Hohlwege durchschneiden – die Stadt touristisch attraktiv machen.